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Dinosaurier wieder angesiedelt. Fortbewegungsmittel abgeschafft. Und Verpackungen?

Winfried Batzke
02.06.2015
Views: 457

Aktuelle Meldungen +++ Forschern aus Brandenburg ist es gelungen, seltene Dinosaurierarten wieder in ihren ursprünglichen Lebensräumen anzusiedeln. Protestkundgebungen einheimischer Bauern wurden von Richterinnen des Bundesverfassungsgericht untersagt. Vertreterinnen des Paläoökologischen Bundesverbandes begrüßten die Entscheidung +++ Auf Beschluss der Grün-Schwarzen Bundesregierung wurden im Rahmen des strategischen Programms "Steinzeit als Lebensform" Fortbewegungsmittel jeglicher Art verboten. Die Gesetzesvorlage zum Rückbau der Verkehrsinfrasruktur hat den NGO-Rat passiert +++ Die medizinische Versorgung der Bevölkerung muss auf Grund nicht erlaubter Verpackungen für sterile Produkte und Arzneimittel eingestellt und in Selbstversorgungsleistung erbracht werden. Kurse bei Medizinmännern und Geistheilerinnen sind nach wie vor überbucht +++

Alles Quatsch? Na ja, etwas übertrieben vielleicht. Aber in der Tendenz, was Verpackungen angeht, durchaus zu befürchten!

Verpackungen stehen erstaunlicherweise seit Jahren im Fokus der Politik, der Medien und der Verbraucherschützer. Sie sind, wie Flaschen oder Dosen, im wörtlichen Sinn in aller Munde, ständig präsent, Objekte täglicher Verzweiflung und gefühlt zu viel.

Und sie sind Gegenstand von Regulierungsbemühungen, Verbotsverfahren oder Verunglimpfungskampagnen. Getränkedosen, Tragetaschen, Verschlüsse, Kartondosen, Adventskalender. Alles schlecht!

Weil ein kleiner Teil von Verpackungen überflüssig ist und es sicher auch schlechte Verpackungen gibt, hallt der Schlachtruf "unverpackt" durch die Medien. Am besten also gleich alle Verpackungen abschaffen!

Kommen wir zurück zu der Schlagzeile über die Abschaffung der Fortbewegungsmittel. Es gibt ja sehr verschiedene Fortbewegungsmittel. Autos, Eisenbahnen, Flugzeuge, Schiffe, Kutschen, Schlitten, Raketen.

Nun gibt es unter den Fortbewegungsmitteln einige, die man nicht wirklich braucht. SUV's in Großstädten, Schlitten in der Wüste, Fahrräder auf Autobahnen. Es gibt Fahrzeuge, die zu groß, zu laut, zu schnell, zu langsam oder ökologische Mistsäue sind. Es gibt Fahrzeuge, die in großen Ansammlungen ihren eigentlichen Sinn konterkarieren und zum Kollaps der Fortbewegung führen. Es gibt Fahrzeuge die töten. Es gibt Verkehrsmittel, die unpünktlich sind. Es gibt Fortbewegungsmittel, die besser durch andere ersetzt werden sollten. Es gibt Bemühungen, die Fortbewegung anders zu organisieren. Es gibt Gründe, Fortbewegung zu besteuern. Es gibt Liebhaber alter Fortbewegungsmittel. Es gibt ein Verkehrsministerium.

Käme ein Politiker oder ein Verbraucherschützer auf die Idee, Fortbewegung zu verbieten?

Verpackungen haben eine ähnliche Bandbreite. Es gibt verschiedene Verpackungen aus Papier, Kunststoff, Holz, Glas, Metall. Für Lebensmittel, Getränke, Kosmetika, Pharmaprodukte, Ersatzteile, Heimwerkerprodukte. Für einfach alles, was man sich vorstellen kann. Produktverpackungen, Transportverpackungen. Kisten, Container, Fässer, Eimer, Schachteln, Becher, Flaschen, Dosen. Und, und, und.

Verpackungen sind in ihrer überwiegenden Mehrheit nicht wegzudenken, wenn wir nicht leben wollen, wie in der Steinzeit. Aber selbst damals hat man sich ein Fell umgehängt. Unverpackt war unpraktisch.

Unverpackt ist immer noch unpraktisch. Fast immer.

Unverpackt ist auch riskant. Bei Arzneimitteln zum Beispiel, wenn man diese nicht eindeutig identifizieren kann. Bei Messern, wenn man sich nicht vor der scharfen Klinge schützt, oder bei wirklichen Gefahrgütern. Oder wie oben beschrieben, wenn durch unverpackte Spritzen, Verbandmaterialien oder Operationsmaterialien Infektionsgefahr besteht.

Unverpackt kann auch schutzlos sein. Filigrane Gegenstände zerbrechen ohne Verpackung während des Transportes. Lebensmittel verderben schneller, Textilien werden schmutzig. Ungewollte Gerüche oder Geschmäcker gehen in die Produkte. Oder Produkte wie Kaffee, Tee oder Parfüm verlieren ihre Aromen.

Unpraktisch ist es allemal, wenn Produkte nicht vorportioniert sind und wir sie aus Großgebinden entnehmen sollen. Ach, auch das sind ja Verpackungen. ...

Außerdem habe ich mich daran gewöhnt, mir Essen in der Verpackung aufzuwärmen oder es in einer Verpackung geliefert zu bekommen. Ich finde es auch angenehm, durch Aufschriften auf der Verpackung etwas über das Produkt zu erfahren. Haltbarkeitsdatum, Inhaltsstoffe, Zubereitungshinweise oder was es überhaupt ist. Und die Marke. Ohne Verpackung gäbe es in der Konsumgüterbranche keine Marke.

In den weniger entwickelten Ländern dieser Erde verderben 30 bis 40 Prozent aller Lebensmittel auf dem Weg vom Feld zum Verbraucher! Ein Drittel! Hauptgrund ist die fehlende Haltbarkeit, weil die Produkte nicht verpackt sind. Schädlinge, Hitze, Feuchtigkeit haben freie Bahn.

Unverpackt ist in diesem Fall unverantwortlich und fördert den Hunger in der Welt.

Unverpackt ist manchmal auch nicht schön. Gemüsesuppe, Molkeprodukte, Lasagne, Zahncreme oder Ketchup machen ohne Verpackung im Handel wenig her. Vom Transport nach Hause ganz zu schweigen.

Wir müssten im Spiel des Lebens ohne Verpackung alle wieder auf Los. Alles ganz anders machen. Steinzeit eben. Ohne Arbeitsteilung, ohne Läden, ohne Freizeit. Selbstversorger auf der eigenen Scholle. Es geht. Irgendwie.

Aber wollen wir das wirklich?

Wäre es nicht sinnvoller, die Wertschätzung für Verpackungen zu verbessern? In einer Übersicht der Zeitschrift Impulse über Unternehmen der deutschen Wirtschaft kommen Verpackungshersteller gar nicht vor. Dabei gibt es fast 10 000 Unternehmen! In der Verpackungswirtschaft arbeiten ca. 400.000 Beschäftigte. Dazu zählen sowohl Arbeitsplätze bei Verpackungsherstellern als auch beim Verpackungsmaschinenbau und in den Industrien, die Produkte verpacken müssen, also überall. Verpackungstechnologie ist Hightech. Wenn man 40.000 Flaschen in der Minute mit kohlensäurehaltigen Getränken oder 600 Schachteln mit Tablettenblistern und Beipackzettel befüllt, serialisiert und verklebt ist das sowas von Hightech.

In der Branche arbeiten Materialforscher, Designer, Automatisierungsexperten, Logistiker, Farbhersteller, Chemiker, Verpackungsingenieure. Und viele mehr. Oft sehen sich die Beteiligten aber gar nicht als Teil der Verpackungsbranche sondern als Drucker, Papierverarbeiter, Kunststoff- oder Glasindustrie, Metallverarbeiter. Seit Jahren toben die Grabenkämpfe zwischen den Materialfraktionen um die Gunst der Verbraucher oder Gesetzgeber. Gemeinsamkeiten treten in den Hintergrund, in der Öffentlichkeit bleiben oft die herausgestellten Nachteile der Wettbewerber haften.

Das Deutsche Verpackungsinstitut hat als neutrale Instanz der Branche für den 11. Juni einen bundesweiten Tag der Verpackung ausgerufen und alle Unternehmen der Branche eingeladen teilzunehmen. Die Resonanz hält sich im ersten Jahr noch in Grenzen, aber 30 Unternehmen öffnen an diesem Tag ihre Türen für den Nachwuchs und die Öffentlichkeit. Die Vielfalt ist groß und reicht von Forschungseinrichtungen über Verbände bis zu Herstellern von Folien, Verschlüssen, Schachteln, Displays, Dosen und Tuben.

Es lohnt sich, genauer hinzuschauen. Verpackungen sind spannend. Und praktisch.

Fast immer.

Kommentare

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  • 1 Kommentar(e)
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Kommentar von:Markus Wichmann
03.06.2015
Paper Face-stocks Development Assiciate

Herr Batzke hat es auf den Punkt gebracht. Niemand würde solche Forderungen stellen, jedoch ist es einfach auf Verpackungen herum zu reiten. Allerdings mangelt es auch der Verpackungsindustrie an geeigneter Kommunikationsinstrumenten diesen fadenscheinigen Argumenten Paroli zu bieten. Die Save Food Kampagne auf der Interpack war ein sehr guter Ansatz, leider hört man nichts mehr davon in den Medien. Eine eigene positiv Darstellung ist dringend notwendig.

Danke für den Beitrag

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