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Verzicht ist nur ein Teil der Lösung

Birgit S. Bauer
19.03.2012
Views: 331

Fastnacht liegt nun schon ein paar Wochen zurück; mit dem Aschermittwoch beginnt im christilichen Zusammenhang die Fastenzeit. Und Fasten, also Verzicht, ist ein wichtiges Motiv, besonders in der Diskussion um Nachhaltigkeit ist Verzicht ein allgegenwärtiges Stichwort.

Vermeiden, reduzieren, umgehen, umwandeln, umdeuten wollen wir unseren Lebensstil. Besonders die Verpackungsbranche steht im Zentrum der Debatte, denn Verpackungen sind überall. Wie sehr unser Lebensstil von Verpackungen abhängt, hat eine Berliner Designstudentin in ihrer Diplomarbeit an der Berliner Universität der Künste (UdK) geschildert. [ent]sorgen ist der Titel ihrer Untersuchung des Phänomens Müll. Müll – so könnten sie jetzt meinen: “Da haben wir doch nichts mit zu tun, es gibt doch schließlich die Verpackungsverordnung!“ – Stimmt. Die Verpackungsverordnung und das Duale System haben in den zwanzig Jahren ihres Bestehens für viele Neuerungen im Verständnis von Rohstoffen gesorgt, von den technologischen Entwicklungen, die uns helfen, Wertstoffe aus Verpackungen wie beispielsweise Tetrapaks zurückzugewinnen, ganz zu schweigen.

Design-Diplom mit Mülldiät

Die Design-Diplomantin Susanne Hausstein hat experimentiert und sich und ihrem Partner eine Woche "Müllfasten" verordnet und in ihrem Blog protokolliert: Alle Verpackungsabfälle, die den grünen Punkt trugen, sollten vermieden werden.

Das heißt, die Plastiktüte beim Obst abwiegen genauso wie die Folie an der Fleischtheke oder etwa die Papiertüte beim Bäcker.

Gar nicht so einfach schildert die Designerin:

10:00 Auf dem Weg zur Arbeit kaufe ich eine Quarktasche am U-Bahnhof. Natürlich nehme ich sie gleich auf die Hand, denn das Bäckertütchen möchte ich gerne einsparen. So ganz unproblematisch ist das nicht. Die mit Puderzucker überzogene Quarktasche bestäubt mich beim Laufen von oben bis unten. Das ist mir sonst nie aufgefallen, denn sie staubt für gewöhnlich in die Papiertasche hinein.“

Und auch die Partnerschaft leidet, wenn kleine Müllsünden nicht gleich gebeichtet werden und der Freund eine Plastiktüte vor seiner Liebsten versteckt. Die eine Woche Müllfasten, die Susanne Hausstein auf ihrem Blog beschreibt, zeigt, wie nah Freud (das Vermeiden von Müll) und Leid (Frust und Hunger) beieinander liegen. Denn vom Müllfasten geht das Experiment schnell in ein reales Fasten über, als die Designerin bemerkt, wie sehr unser Lebensstil auf verpackten Lebensmitteln beruht. Wer die vermeiden will, findet die Bloggerin heraus, muss hungern oder für das Einkaufen und Kochen viel längere Zeiträume einplanen, z.B. um saisonales Gemüse auf dem Markt einzukaufen und dann einzukochen oder um an Milch direkt vom Bauern zu kommen.

Die Quarktasche ohne Verpackung staubt.
Foto: Susanne Hausstein entsorgen.studiofroh.de

Viel Bewusstsein, wenig Wissen

Das Experiment hat gezeigt, in welch hohem Maße unsere Kultur und Lebensqualität von Verpackung abhängt. Das Protokoll der jungen Designerin zeigt auch, das die Konsumenten noch viel mehr über die eingesetzten Materialien wissen möchten.

Sie wollen mehr über den verantwortungsvollen Umgang mit wertvollen Rohstoffen erfahren – den zwanzig Jahren Duales System zum Trotz. Das scheint zwar viel am Bewusstsein, aber wenig am Wissensstand geändert zu haben.

Sind Sammelsysteme in Zukunft gar überflüssig? Nimmt die Bedeutung der thermischen Verwertung oder der Trenn-Technologien zu? Die Verbraucher sind verwirrt ob all der Siegel, der Aufrufe, Appelle und Werbeslogans, die mit Verpackung und Müll zu tun haben und sie wissen nicht, wie man die Wertstoffe auseinanderhalten kann. Verpackung ist nicht bloss Hülle, sondern ein ganzes System an Funktionalität, das wir als Verpacker mit viel Know-How gestalten.

Corpus Delicti beim Müllfasten: Aluminium.
Foto: Susanne Hausstein entsorgen.studiofroh.de

Systeme intelligent ausformulieren

Aller attraktiven Zwischenlösungen zum Trotz sollten gerade die Fachleute das System aus Verpackung und Abfall weiter intelligent auszuformulieren. Susanne Hausstein hat nämlich nicht nur Müllfasten betrieben, sondern sich auch Lösungsansätze für Teilbereiche des Wertstoff-Managements erdacht: Unter anderem sprach sie mit dem Unternehmen barcoo über eine Materialbezeichnung und entwarf ein Konzept für ein RFID-gesteuertes, lokales Mehrweg-System für Milch, das per App verwaltet werden kann.

Denn Verzicht, so ergab das Experiment der Designerin, ist nur ein Teil der Lösung.

Zum Blog von Susanne Hausstein:http://entsorgen.studiofroh.de

Reduce, reuse, recycle: Müllfasten fängt mit dem Ersteren an.
Foto: Susanne Hausstein entsorgen.studiofroh.de

Kommentare

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  • 2 Kommentar(e)
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Kommentar von:Sandy
10.04.2012
Super Idee

Super Idee mit dem Müllfasten. Ich finde auch dass wir in der heutigen Zeit uns immer mehr Gedanken um Nachhaltigkeit machen sollten. Daher finde ich die Idee mit der "Mülldiät" echt super und werde es auch mal 1 Woche versuchen. Mal schauen, wie weit ich damit komme:-) Hoffe, dass die Autorin auch andere noch davon überzeugen kann.

Kommentar von:Dani
14.04.2012
Inconvenient Truth hoch 10

Finde ich richtig super, dass Susanne uns inspiriert das Thema Muell in unserem eigenen Leben anzupacken. Weniger verbrauchen und geplanter verbrauchen, heisst einfach weniger Muell - aber das geht manchmal an den Komfort, oder die Faulheit, wie man will...Bewusstheit und Wissen vermitteln sind daher key!

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