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Design: Wir haben gewonnen!

Birgit S. Bauer
08.07.2012
Views: 229

Ja, wir! – Sie auch! Alle! Mittlerweile kann man sich nur noch wundern, mit welcher Geschwindigkeit die Designwettbewerbe aus dem Boden gestampft werden. Ob als studentischer Wettbewerb auf Einladung oder als Marketingevent mit vielen Kategorien und internationaler Jury: Der Nutzen der Wettbewerbe steht ausser Frage, weil immer irgendjemand etwas davon hat – Publicity für die Teilnehmer und Ausrichter, Vernetzung in der Branche und der Diskurs darüber, welche Trends und Innovationen aktuell entstehen.

Die Faustregel, das wer viel einreicht, auch viel gewinnt, scheint zu stimmen. So sahnen bei großen Auslobungen mit hohen Anmeldegebühren gewohnheitsgemäß die großen Agenturen ab – mit Entwürfen, die schon bekannt sind und nun auch noch durch Preise geadelt werden sollen.

In der Flut der Wettbewerbe gelingt aber nicht immer der Durchblick, welche Kriterien und welche Verfahren zur Beurteilung der Einreichungen geführt haben. Die Jurys sind in der Regel hochkarätig besetzt, es besteht also kein Zweifel an deren Professionalität. Doch was braucht ein Wettbewerb, um wirklich Akzente zu setzen? Welche Informationen über die Preisträger-Objekte tragen zu einer ausreichenden Reflexion der Verpackungsbranche bei? Wie eng oder weit muss die Interpretation von Kriterien eigentlich sein?

Zunächst einmal eine Kritik der Preis-Flut: Die gängige Trennung zwischen marketingorientierten Designpreisen und technologieorientierten Verpackungspreisen verzerrt die interdisziplinäre Ausrichtung der Verpackung – denn wie kann man Form von Inhalt, Entwurf und Umsetzung trennen? Wie die Produktion von der späteren Anwendung, deren Logistik, Nutzer- und Umweltfreundlichkeit?

Die gängigen Verfahren der Bewertung scheinen hier zu kurz zu fassen – mit wenigen Ausnahmen bleiben Wettbewerbe an der Oberfläche und verteilen mal hier und mal da fast schon per Gießkanne ihre Auszeichnungen. Den Weitblick, den Kontext der jeweiligen Entwürfe zu bewerten, leisten sich nur ganz wenige Wettbewerbsausrichter, – darunter auch das deutsche Verpackungsinstitut, – nämlich die, die in der Branche eine Brücke zwischen Produktentwicklung, Produktion, Marketing und Vertrieb herstellen. Die z.B. unabhängige Branchennetzwerke bilden und neben der Prämierung und Kommunikation von Endprodukten als aktive Vernetzer der Branche auftreten.

Einige Designpreise beispielsweise haben sich darauf verlegt, die Jurierung und Preisvergabe als Serviceleistung an die Designbranche zu vermarkten. Gegen Gebühr kann man hier unterschiedliche Marketing- und PR-Leistungen einkaufen, beispielsweise. an Branchenrankings teilnehmen, deren Aussagekraft nicht nur durch das „Eintrittsgeld“ dahingestellt sei.

Noch sind die Labels der großen Designpreise ein verkaufsförderndes Argument, das neuerdings auch für Agenturen aus China und Korea ein günstiges Aquise-Tool darstellt, wie man an vielen Wettbewerbsergebnissen ablesen kann. Dazu kommt, dass die Auffächerung in unzählige Spezialkategorien eines aus den Augen verlieren lässt: Den Blick aufs Ganze und den jeweiligen Zusammenhang. Warum sollte man nur die reine Formgebung einer Verpackung mit Preisen überhäufen, wenn man weißwie schlecht ihr ökologischer Fußabdruck in ihrem Verbreitungsgebiet ist?

Wer heute an Wettbewerben teilnimmt, sollte sich darüber informieren, was die Ausrichter für eine Rolle in der Branche einnehmen, ob es überhaupt aussagekräftige Kriterien der Jurierung gibt und man sollte klären, was genau man sich von der Teilnahme verspricht. Wer beispielsweise den Diskurs oder qualifizierten Nachwuchs sucht, sollte sich nicht mit einem typischen "Schaufenster"-Wettbewerb zufriedengeben. Für andere wieder ist die Präsenz auf allen vorhandenen Wettbewerbsplattformen wichtig – da wird der Wettbewerb zur reinen Marketingmaßnahme und baut auf reine (über)Präsenz und führt nicht selten dazu, dass die Preise und Labels in der Summe an Glaubwürdigkeit verlieren.

Die Designerin Juli Gudehus aus Berlin hat deshalb den Gedanken eines „Ehrenpreises“ angestoßen, der auf Empfehlung und ohne Anmeldegebühren vergeben werden sollte, (http://www.der-ehrenpreis.de/ ) weil sie fand, dass die vielen Designpreise die Kulturleistung des Design verschleiern und die vielen jedes Jahr neu eingeführten Rankings am Ende nur zu einem führen:Verwirrung.

Was hier fehlt ist ein Ranking der Rankings – sind Sie dabei!?

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