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Original unverpackt? Bestimmt kein Trend!

Winfried Batzke
17.10.2014
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Vor einigen Wochen habe ich eine Pressemeldung über die Eröffnung des ersten „verpackungsfreien“ Marktes in Berlin gelesen. Es waren ein paar Fotos dabei. Das eine zeigte die kleine Ladentür in Kreuzberg, die an einen Tante Emma Laden aus guter alter Zeit erinnerte. Das andere Foto zeigte einen Regalausschnitt, in dem Behälter für verschiedene Lebensmittel zu sehen waren, aus denen man sich diese in die mitgebrachten Behältnisse füllt. Auf dem dritten Bild waren Behälter zu sehen, die man kaufen kann, wenn man selbst keine mitgebracht hat.

Einen Tag später stieß ich auf einen Zeitungsartikel aus dem April, der eben jenen, ersten Supermarkt in Berlin ankündigte, der auf Verpackungen verzichtet. So zumindest war der Aufmacher.

Es war auch eine bildliche Darstellung dabei, wie dieser Supermarkt aussehen würde.

Der Artikel wollte den Eindruck erwecken, dass hier ein neuer Trend im Entstehen sei und kündigte die Eröffnung des Marktes für den Juli an.

Vergleicht man beide Artikel, sieht man die deutliche Ernüchterung, die inzwischen eingetreten ist. Die begrenzte Anzahl der angebotenen Artikel, die offensichtliche Beschaffungsproblematik der Händlerinnen, der umständliche Kaufprozess, Hygienefragen - das sind nur einige Aspekte, die nach der medialen Euphorie des Frühjahres die Hoffnungen in dieses Projekt gedämpft haben.

Vor kurzem bin ich dann von einem Journalisten um eine Stellungnahme zum neuen „Trend zu verpackungsfreien Supermärkten“ gebeten worden. Ich war überrascht! Und dann musste ich lachen.

Ein Trend? Ist eine Idee schon ein Trend?

Weil den meisten Journalisten der Tagespresse - wie auch dem überwiegenden Teil der Bevölkerung - nicht bewusst ist, wie wesentlich Verpackungen für unser heutiges, bequemes Alltagsleben sind, ist die Zustimmung zu einer solchen Idee groß.

Aber eher gefühlsmäßig.

Weil die vielen leeren Verpackungen, die wir täglich in die gelbe Tonne oder den gelben Sack werfen, uns einfach stören. Und nerven.

Aber auf welche Verpackung möchten wir jetzt eigentlich wirklich verzichten?

Auf Flaschen oder Kartons für Getränke?

Auf Blister für Tabletten? Oder gar auf Ampullen für Impfstoffe?

Wollen wir unsere Putzmittel in ungekennzeichnete Flaschen abfüllen und selbst kindersicher verschließen oder kennzeichnen?

Soll uns der DHL-Bote die Schuhe oder die Kleidung ohne Karton überreichen oder beim Nachbarn abgeben?

Wie sicher können wir bei Elektronikbauteilen, Mobiltelefonen oder Fernsehgeräten vor Fälschungen sein, wenn sie nicht in Verpackungen mit Originalitätsverschluss sind?

Wie würden wir eigentlich Wurst oder Zahncreme transportieren wollen. Oder Joghurt?

Wie lange hält Eiersalat ohne Verpackung?

Und möchten wir Schrauben wieder im Laden abzählen oder Katzenstreu abwiegen lassen? Oder Blumenerde?

Ich glaube, das wollen wir nicht wirklich!

Fast 200 Milliarden Verpackungen werden in Deutschland jährlich hergestellt und gebraucht. Ein paar sind bestimmt überflüssig. Aber nur sehr wenige!

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