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Fossilien mit Trüffeln

Birgit S. Bauer
17.10.2012
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Copyright: Museum für Naturkunde Berlin

Naturkundemuseum Berlin: in der Vitrine neben dem mit 14 m größten europäischen Saurierskelett, zwischen mannshohen Beinknochen und furchterregenden Reisszähnen, 150 Mio. Jahre alten Versteinerungen von Sprotten und Wespen, dem wundersam verzerrten Abdruck des Archeopteryx, liegen sie: mehrere Marmeladengläser mit unleserlichen britischen Etiketten, Konservendosen Marke Libbys, hohle Affenbrotbaumfrüchte und aus Holz und Bambus gefertigte runde Köcher.

Koloniale Expedition

Copyright: Museum für Naturkunde Berlin

Was machen diese alten Verpackungen in  dem ehrwürdigen Museum?Diese Verpackungen haben Geschichte gemacht, und zwar als wichtige Details einer paläontologischen Schatzhebung.Diese teils improvisierten Transportverpackungen waren entscheidend für den Erfolg einer der größten paläontologischen Expeditionen aller Zeiten, der 1909 begonnenen Grabungsreise des deutschen Forschers Werner Janensch nach Deutsch-Ost-Afrika, dem heutigen Tansania.  Der Tendaguru in Tansania, Friedhof tausender gigantischer Urechsen, ist die Fundstätte von 250 Tonnen fossilienhaltigen Gesteins die der junge Werner Janensch damals quasi nur aufheben musste. Im ausgehenden Jura lagerten sich dort die Knochen von Dinosauriern ab, versteinerten und wurden im Laufe der folgenden 140 bis 150 Millionen Jahren Erdgeschichte wieder freigelegt. Hunderte von Kleinsauriern, zahlreiche fast komplette und gut erhaltene Skelette der Riesenreptilien grub Janensch aus.

250 Tonnen Steine

Copyright: Museum für Naturkunde Berlin

Die deutsche Tendaguru Expedition 1909-1913 ging als erfolgreichste aller je unternommenen Expeditionen in die Geschichte ein und stellte das Grabungsteam vor ernste Verpackungsprobleme: Wie sollten 250 Tonnen fossilen Materials unversehrt ins Museum nach Berlin kommen? Welche Materialien für Transportverpackungen waren vor Ort verfügbar? Die cleveren Lösungen kann man heute in besagter Vitrine des Naturkundemuseums, direkt neben zahlreichen von Janensch bestimmten Riesensauriern sehen: Marmeladengläser für Kleinteile, die widerstandsfähigen Hüllen der runden Früchte des Affenbrotbaums, die idealen Schutz für die wertvollen Versteinerungen boten und die langen Köcher aus Bambus, in denen größere Fossilien verschickt wurden. Dazu sieht man Konservendosen, die dem Alltag der deutschen Kolonialherren entstammen müssen: "Ochsenfilet mit Trüffeln" beispielsweise. Man ließ es sich gut gehen und produzierte in diesem Falle hilfreichen Wohlstandsmüll.  
 
Ein Ergebnis dieser erfolgreichen Logistik mit Dosen und Gläsern ist der Brachiosaurus brancai der die Haupthalle des heutigen Museums dominiert und der mit 13,27m Höhe sogar im Guiness Buch der Rekorde verzeichnet ist.
Im Keller des Naturkundemuseums sollen sich übrigens noch unzählige Transportkisten und Bambustrommeln voller versteinerter Knochen stapeln – inklusive historischer Verpackungsfunde!
www.naturkundemuseum-berlin.de

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