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Pressebericht

Deutscher Verpackungskongress mit Rekordbesuch.

Neues Denken und kontroverse Modelle stoßen auf großes Interesse.

Am 24. März trafen sich über 180 Führungskräfte und Projektverantwortliche der Verpackungsbranche auf dem Deutschen Verpackungskongress in Berlin. Unter dem Motto „Nachdenken. Mitdenken. Umdenken. Vordenken. Weiterdenken.“ standen die Themen Sustainability, Emerging Trends und Operational Excellence im Fokus der Veranstaltung. Der vom Deutschen Verpackungsinstitut (dvi) veranstaltete Kongress warf einen Blick auf das große Ganze, erkundete neue Wege, schnitt alte Zöpfe ab, lernte Lektionen und fand Antworten. Impulse und Insights, die auch auf der nachfolgenden Abendveranstaltung zu fundierten Diskussionen anregten, das Networking förderten und erst spät in der Nacht bei einem ungetrübten Blick über die Hauptstadt ein vorläufiges Ende fanden.

„Sie werden ein paar Dinge hören, die Sie vielleicht nicht mögen.“ Mit diesem Paukenschlag eröffnete Prof. Dr. Michael Braungart, Leiter des Lehrstuhl Cradle to Cradle® der Universität Rotterdam und wissenschaftlicher Leiter des Hamburger Umweltinstituts den Themenblock Sustainability. Der Sachbuchautor und Greenpeace-Aktivist der ersten Stunde lobte Verpackungen als eine der größten Erfolgsgeschichten der Menschen und räumte danach eine knappe Stunde lang mit liebgewonnenen Wahrheiten zum Thema Nachhaltigkeit und Ökologie auf. Er forderte die Kongressteilnehmer auf, über Qualität und Schönheit zu reden, anstatt über Nachhaltigkeit, die rückwärtsgewandtes Management sei. Es könne nicht darum gehen, Produkte weniger schädlich zu machen. Das zögere den Schaden nur hinaus und mache uns zu einer Generation von Schuldmanagern. Der Vorschlag von Prof. Dr. Braungart: Nicht die falschen Dinge optimieren, sondern die richtigen Dinge tun. Nicht Effizienz, sondern Effektivität sei das Ziel. Wenn Verbrauchsgüter Teil eines biologischen Kreislaufs würden und Gebrauchsgüter Teil eines technischen Kreislaufs, dann könne (intelligent) verschwendet und üppig produziert werden. Wenn alles, was verschleißt, aus Materialien bestünde, die essbar und einatembar sind, könnten Abrieb, Migration, Kompostierung oder Verbrennung keine Gefahr für uns darstellen. Mit eindrucksvollen Beispielen und Studien warb der Gründer der EPEA Internationale Umweltforschung GmbH für eine neue Denke, die keine Feinde sieht, sondern Freunde und Kreisläufe, die positiv definiert und Stoffe nicht verbietet, sondern bewusst wählt. Anhand praktischer Produkte zeigte Prof. Dr. Braungart, dass sein Cradle to Cradle genanntes Prinzip keine irreale oder zukunftsferne Utopie ist. „Es gibt schon die Lösungen.“

Im zweiten Vortrag untersuchte Prof. Dr. Hans-Josef Endres von der FH Hannover Bedeutung, Potentiale und Perspektiven von Biopolymeren. Nach einer grundlegenden Einführung und einem Überblick über die am Markt existierenden Biopolymere setzte Prof. Dr. Endres die biobasierten und biologisch abbaubaren Werkstoffe in Relation zu den Zukunftsfragen der Gesellschaft im Bereich Energie und Nachhaltigkeit. Auch in diesem Vortrag rückte der Fokus auf das Schließen von Kreisläufen. Biopolymere haben hier den Vorteil, dass sie als Teil des biologischen Kreislaufs viele Entsorgungsoptionen böten und eine hohe Entropie-Effizienz aufwiesen. Am Ende des anspruchsvollen Vortrags prognostizierte Prof. Dr. Endres ein neues Solarzeitalter, da alles, was auf diesen Energiespender zurückgeführt werden könne, erneuerbar sei.

Zum Abschluss des Sustainability-Blocks schilderte Marcus Macsioszek, Leiter Marketing der Gerolsteiner Brunnen GmbH & Co. KG, wie man Qualität kommuniziert. Er stellte fest, dass das Vertrauen der Verbraucher durch Lebensmittelskandale zerstört sei. Es gelte nun, dieses Vertrauen wiederzugewinnen. Das Konzept der Nachhaltigkeit bleibe für Verbraucher allerdings eher unverständlich. Verbraucher wollten Qualität. Deshalb, so Herr Macsioszek, könne man Vertrauen über Qualität wieder aufbauen. Am konkreten Beispiel eines hauseigenen Mineralwassers zeigte Herr Macsioszek, dass Qualitätsdiskussionen nicht nur imagegetrieben sein müssen. Im Gegenteil lohne es sich, konkret über das Produkt und seine Qualität zu sprechen, sowohl emotional wie rational. Ein zusätzlicher Vorteil: Wer über die Qualität differenziert, wird unabhängiger von der Preisdiskussion.

Den Block Emerging Trends eröffnete Stefan D. Seidel, Deputy Head PUMA.Safe Global. Im Mittelpunkt seines Vortrags stand die innovative Verpackung Clever Little Box, die 2011 ins Volumen geht und 2012 der Standard-„Schuhkarton“ von Puma sein soll. Die Tasche hat eine Struktur aus Pappkarton für die Stabilität und eine Polypropylen-Hülle darum herum. Sie ist wieder verwendbar und kann auch nach dem Transport der gekauften Schuhe ins eigene Heim vielfältigen Zwecken dienen. Einsparungen von über 65% im Papierbereich sind nur eine der bemerkenswerten Zahlen, die Herr Seidel bei der Präsentation vorweisen konnte. Mit der Clever Little Bag will Puma das Thema Nachhaltigkeit proaktiv angehen. Der Nachhaltigkeitsgedanke wird von der Firma dabei nicht nur selber verfolgt, sondern auch in die Zulieferer und Zulieferer der Zulieferer hineingetragen und eingefordert.

Im Anschluss an Herrn Seidel präsentierte Frau Adrienne Héon-Kleinen, Corporate Innovation- & Strategy Manager der Nestlé AG Deutschland Verpackungstrends und das Innovation Management ihres Unternehmens. Sie stellte das House of Nestlé Brand Building vor, dass es Nestlé unter anderem erlaube, seine einzelnen Marken und Märkten gleichzeitig Anleitung zu geben und viele Freiheiten zuzugestehen. Im Bezug auf Innovationen nannte Frau Héon-Kleinen vier Erfolgsfaktoren: Organisational Cross-Functional Teamwork, Knowledge, Process Tools und Cultural Mindset. Auf Basis einer neuen Nestlé-Ernährungsstudie, die Verbraucher über verschiedene Ernährungs- und Shoppingtypen charakterisiert, stellte Frau Héon-Kleinen an konkreten Produktbeispielen fest, dass Deutschland ein schwieriger Markt für Innovationen ist. Hierzulande seien mehr als „nur“ neue Produkte erforderlich, nämlich neue Konzepte und Darreichungsformen. Verpackungen seien dabei ein zentraler Aspekt, da sie Verbrauchernutzen stiften könnten und am Point of Sale dafür sorgten, dass die Innovation vom Verbraucher überhaupt erkannt und gefunden werde. „Nahrungsmittel plus Etwas ist der Erfolgsmotor für die Zukunft“. Entscheidend für Unternehmen ist nach Ansicht von Frau Héon-Kleinen das richtige Mind-Set. Neues müsse sowohl von außen (Verbraucherideen), als auch von innen (Mitarbeiterideen) ins Unternehmen kommen und genutzt werden.

Der abschließende Vortrag zu den Emerging Trends kam von Dominic Batic, geschäftsführendem Gesellschafter der DieterBakicEnterprises GmbH. Unter dem Titel Verpackung. Macht. Charakter. zeigt er anhand konkreter Produktbeispiele, dass Innovationen nicht nur auf Produktebene erfolgen müssen, sondern nur komplette Formenkonzepte für einen effektiven Dialog mit dem Endkonsumenten sorgen können. In Zeiten von Austauschbarkeit und funktioneller Angleichung von Produkten kommt für Herrn Bakic dem Verpackungsdesign eine entscheidende Bedeutung zu. Handhabung, Funktion, Material, Veredelungstechniken und Farbkonzepte müssten dabei beachtet werden. Nur über Homogenität und Einheitlichkeit am Point of Sale könne sich eine Marke abgrenzen und auffallen.

Den dritten Block des Verpackungskongresses, Operational Excellence, eröffnete Stephan Bestehorn, geschäftsführender Gesellschafter der rlc packaging group. Herr Bestehorn definierte zu Anfang seines Vortrags mit dem Titel „Lean production - Prinzipien und Nutzen der schlanken Produktion“ drei Lebenszyklen der Verpackung. Dienten Verpackungen anfangs als Logistik- und Vermarktungsplattform für aufkommende Konsumgüter, nahmen sie im erwachsenen Zeitalter des Massenkonsums zunehmend eine Convenience- und Differenzierungs-Rolle ein. Im aufkommenden dritten Lebenszyklus stünden nun die Sinnhaftigkeit des Konsums und die Nachhaltigkeit der Lebensqualität im Fokus. Die Industrie müsse sich der Dynamik des Marktes stellen und diesen Paradigmenwechsel thematisieren. Gefragt seien der verantwortungsvolle Umgang mit Ressourcen, die Verfügbarkeit der Produkte und eine emotionalisierende Erscheinung. Herr Bestehorn skizzierte in der Folge die Vision einer verschwendungsfreien Produktion, die weder Überproduktion noch Flächen, Transporte, Wartezeiten, Reparaturen, Wegezeiten und Bestände verschwendet. Die Steigerung von Flexibilität und Effizienz führt dabei am Ende zu Kundenzufriedenheit. Traditionelle Bestellverhalten, die davon ausgingen, dass der Rüstkostenanteil pro Stück mit steigender Losgröße sinke, könnten widerlegt werden.

Der abschließende Beitrag kam von Ulf Pillkahn, Erfinder, Autor und Strategy Consultant der Siemens AG. In seinem ebenso unterhaltsamen wie spannendem Vortrag ging er der Frage nach, wie das Neue ins Unternehmen kommt. Unter dem Motto „Innovationsprinzip Zufall – Die Roulettekugel als Routenplaner“ beschrieb er seine Erfahrungen und Forschungen, das Innovieren zu innovieren. Herr Pillkahn beschrieb, wie Menschen und Organisationen versuchen, Komplexität zu reduzieren, indem Informationen ausgeblendet werden. Gesehen wird nur das, was man sehen will. Dazu kommt die Tendenz, in neuen Situationen in erlernte Verhaltensmuster zurückzufallen. Innovationen dagegen bräuchten auch mal Umwege oder Verschwendung, entstünden oft im Bereich Halbwissen, Ahnung oder Intuition. Gerade größere, ältere und erfolgreichere Organisationen sind in den Augen von Herrn Pillkahn besonders anfällig, da Erfolg dazu verführe, ständig zu wiederholen, was angeblich zu diesem Erfolg geführt habe. Ohnehin würden Erfolge weniger hinterfragt als Misserfolge, was zu tückischen Routinen führe. Auch die Angewohnheit, Erfolge auf gutes Management zurückzuführen, Misserfolge dagegen auf externe Faktoren, verhindere Innovationen. Über eine Untersuchung legte Herr Pillkahn dar, dass das historische Umsatzwachstum von Firmen zu einem Großteil auf Inflation, Fusionen, Übernahmen und internationale Expansion zurückzuführen ist und nur zu einem verschwindend geringen Teil auf Innovationen. Als Gegenrezept empfahl Herr Pillkahn die bewusste Einführung von irritierenden Faktoren in das Unternehmen. Rebellen einstellen, interne Märkte schaffen, Fähigkeiten zweiter Ordnung fördern, Wissen bevorraten und heilige Kühe schlachten sind einige dieser Faktoren. Zum Abschluss präsentierte Herr Pillkahn das Innovation Roulette. Da von 100 Ideen nur rund 10% eindeutig gut beziehungsweise eindeutig schlecht seien, stelle sich die Frage, wie man mit den verbleibenden 80% der Ideen umgehe, die niemand wirklich einschätzen könne. Anstatt dieses Potential verfallen zu lassen, könne man einfach würfeln und Ideen über den Zufall auswählen. Im Grunde, so stellte Herr Pillkahn dar, arbeite die Evolution auch nicht anders. Sein Fazit: Wer keine Fehler macht, ist nicht innovativ genug.

Der Deutsche Verpackungskongress konnte dieses Jahr auch über Twitter verfolgt werden (http://twitter.com/verpackung_dvi).

Pressekontakt

Christian Nink
T +49 30 80 49 858-15
F +49 30 80 49 858-18
nink@verpackung.org

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