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Smart anpassen – Umdenken in der Coronakrise

Die Corona-Pandemie erfordert an vielen Stellen ein Umdenken. Wandlungsfähigkeit und smarte Anpassung sind gefragt. Wie kommen die Unternehmen der Branche durch die Krise? Wie reagieren sie? Welche Rolle spielen staatliche Fördermittel? Werden sie genutzt? Und wie verändert sich die Kommunikation für Unternehmen nach Innen und nach Außen? Fragen und Antworten beim zweiten Tag der dvi-Dialogwoche. Mit Holger Richter, Förder- und Finanzberatung im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie; Rudolf Jeschenko, Gesellschafter, Jeschenko MedienAgentur Berlin GmbH und Kim Cheng, Geschäftsführerin, Deutsches Verpackungsinstitut e. V.

Zu Anfang des zweiten Tages der dvi-Dialogwoche präsentierte dvi-Geschäftsführerin Kim Cheng aktuelle Ergebnisse einer Blitzumfrage unter den im dvi vernetzten Unternehmen. Cheng hob hervor, dass das dvi mit seinen Mitgliedern die Interessen der gesamten Wertschöpfungskette der Verpackung abbildet, vom Maschinenbauer über den Markenartikler bis hin zu den Herstellern und Entsorgern. Das verschaffe dem dvi einen guten Ein- und Überblick. Auch die Umfrageergebnisse zeigten: So heterogen wie die Branche, so heterogen ist die Betroffenheit der Unternehmen durch Covid 19.

Branchenumfrage zu Covid19

Ergebnisse auf die Frage nach den allgemeinen Auswirkungen durch Covid 19:   

  • 32,5 Prozent beklagen die Absage von Messen und anderen Veranstaltungen sowie Reiseeinschränkungen. Das betrifft also den Bereich Kommunikation, der vor allem für Akquise, für Vertrieb und Marketing wichtig ist.
  • 27,5 Prozent der Unternehmen nennen als Folge von Corona die Stornierung von Aufträgen oder eine geringere Nachfrage. Da geht es also um Finanzen und Planungssicherheit.
  • 15 Prozent haben durch die Pandemie mit fehlenden Waren oder Problemen in der Lieferkette zu kämpfen. Das ist angesichts der vielen Probleme gerade beim grenzüberschreitenden Verkehr in der Anfangszeit eine erfreulich geringe Zahl.

Ergebnisse auf die Frage nach den Auswirkungen auf die Auftragslage:

  • Die Anzahl der Unternehmen, die einen Rückgang bei den Aufträgen verzeichnen mussten, liegt bei rund 55 Prozent. Das heißt: Eine knappe Mehrheit der Unternehmen hat weniger Aufträge. Doch nur für die Hälfte ist dieser Umstand aktuell „besonders belastend.“
  • Dazu gehören sicherlich jene 10 Prozent der Unternehmen, die einen Rückgang von mehr als 50 Prozent verzeichnen mussten.
  • Gleichzeitig, und auch das ist interessant, können 15 Prozent der Unternehmen sogar ein höheres Auftragsvolumen verzeichnen.

Ergebnisse auf die Frage nach staatliche bzw. behördliche Hilfsangebote? Werden die angenommen?

  • Über 80 Prozent der befragten Unternehmen machen davon bisher keinen Gebrauch. Das heißt, mehr als vier von fünf Unternehmen kommen aktuell ohne staatliche Hilfsangebot durch die Krise. Das ist erst einmal sehr erfreulich.
  • Bei Hilfsangeboten denken Unternehmen nicht immer nur an Geld. Auch andere Aspekte spielen eine Rolle. Zum Beispiel die Aufnahme des vollumfänglichen Studienbetriebs an den Universitäten. Auch das würde den Unternehmen in ihrer Planung und Entwicklung helfen.
  • Ein letzter, interessanter Punkt vielleicht noch: Die Einstufung als „Unternehmen der kritischen Infrastruktur“. Auch hier braucht es klare Regeln. Ein Flickenteppich regional unterschiedlicher Einstufungen kann schnell zu Wettbewerbsverzerrungen führen. Zum Beispiel dann, wenn der eine noch produzieren und ausliefern kann, der andere jedoch nicht

Hilfsprogramme und Fördermittel des BMWi

Holger Richter, Förder- und Finanzberatung im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, bestätigte die Heterogenität der Betroffenheit durch Corona bei den Unternehmen. Was die dvi-Umfrage für die Branche ergeben habe, lasse sich für die gesamte Volkswirtschaft sagen. Während einige profitieren können, geraden andere in ernste Schwierigkeiten. Für das Ministerium gehe es darum, die Mittel, die in ungeheurem Maße zur Verfügung gestellt würden, mit großer Verantwortung und zielgerichtet zur Anwendung zu bringen. Dabei habe das sonst zurecht kritisierte Gießkassenprinzip durchaus seine Berechtigung. Insbesondere bei den nicht rückzahlbaren Mitteln müsse genauer hingeschaut werden, ob tatsächlich eine Notlage beim Unternehmen vorliege. Der Förderdschungel, den es durchaus gebe, führe zu zahlreichen und auch immer wieder neuen Fragen.

Insgesamt lasse sich der Handlungsbedarf der Unternehmen nicht über einen Kamm scheren. Auch die Reaktion auf die Krise sei unterschiedlich. Für einige Unternehme seien Kurzarbeitergeld und liquiditätssichernde Maßnahmen das einzige Mittel, damit das Unternehmen überlebe. Für andere könne es ein trügerisches Ruhekissen sein, um anstehende Entwicklungen nach hinten zu schieben. Aber das liege in der Verantwortung jedes einzelnen Unternehmens.

Richter empfahl, schon vor der Kontaktaufnahme mit dem Ministerium die Expertise der lokalen Handelskammern und des eigenen Steuerberaters zu nutzen. Gerade die Corona-Überbrückungshilfen liefen ausschließlich über den Steuerberater. Zudem gebe es ein umfangreiches Informationsinstrumentarium auf der Webseite des BMWi. Wenn die notwendigen Informationen zusammengetragen seien, empfehle sich das persönliche Gespräch mit dem BMWi. Richter nutzte die Gelegenheit auch, um mit dem Gerücht aufzuräumen, dass nicht rückzahlbare Zuschüsse versteuert werden müssten. Das sei nicht der Fall.

Kommunikation in Zeiten von Corona

Rudolf Jeschenko, Gesellschafter der Jeschenko MedienAgentur Berlin GmbH, arbeitet für zahlreiche größere und kleine Kunden insbesondere auch aus dem Lebensmittelbereich. Er berichtete von Herstellern von Babynahrung oder Toilettenpapier, die gerade zu Zeiten von Lockdown und Hamsterkäufen an ihre Grenzen gestoßen seien, auch weil international bezogenes Verpackungsmaterial den Weg über die Landesgrenze nicht geschafft hätte. Andere Unternehmen hätten die Krise genutzt, um gutes und gewinnendes Marketing zu betreiben. Jeschenko nannte das Beispiel eines Hotels, das Wellnesswochenenden für Pflegekräfte ausgelobt hatten oder eines Hygienemittelherstellers, der Krankenhäuser kostenlos beliefert und über eigene Kontakte in China dringend benötigte Schutzausrüstung organisiert hatte.

Die Corona-Krise bringt nach Ansicht von Jeschenko Möglichkeiten, aber natürlich auch neue Herausforderungen. Was ist beispielsweise, wenn ein Kollege infiziert aus dem Urlaub kommt und reihenweise Kollegen ansteckt? Wie reagiert man darauf kommunikativ, sowohl nach innen, aber auch nach außen?

Veränderte Kommunikation gebe es auch durch den Einzug in das Home-Office. Mittlerweile hätten alle großen Jeschenko-Kunden eine 2Tage-3Tage-Regelung zwischen Home-Office und „normalem“ Büro. Das sei vor kurzem noch undenkbar gewesen. Allerdings sei auch diese Umstellung meist nicht umsonst zu haben, denn der heimarbeitende Mitarbeiter brauche gegebenenfalls ein Laptop, einen Drucker sowie ein geeignetes Smartphone mit dem entsprechenden Volumentarif. Auf Nachfrage bestätigte Holger Richter, dass auch diese Maßnahmen durch das BMWi gefördert werden könnten.

Learnings und bleibende Veränderungen

In Bezug auf Learnings, die sich durch die Pandemie ergeben, wies Jeschenko auf die weiter steigende Bedeutung von Social Media hin. Überall würden Online-Abteilungen aufgestockt. Wo vorher die Sekretärin des Marketingleiters dreimal am Tag auf Facebook schaute, seien nun mehrere Köpfe starke Redaktionsteams am Werk. Es sei wichtig, die Meinungen und Strömungen im Blick zu behalten, um nicht von Ereignissen oder Wellen kalt erwischt zu werden. Außerdem sei es wichtiger denn je, die Haltung des Unternehmens nach außen zu tragen. An Social Media führe hier kein Weg vorbei – schon vor der Corona-Krise und auf potenzierte Weise seitdem.

Holger Richter zeigte sich überzeugt, dass Corona Dinge dauerhaft verändere. Auch wenn es für einige Unternehmen im Moment sicherlich nur darum ginge, erstmal bestehen zu bleiben. Andere jedoch sehen bereits die bleibenden Veränderungen. Das habe auch damit zu tun, dass sich viele Formate grundsätzlich geändert hätten. Es seien zudem Entwicklungen angestoßen und umgesetzt worden, die sich bewährt hätten und sicherlich beibehalten würden. Als Beispiel nannte Richter den Bereich Digitalisierung. Entsprechende Förderangebot habe das BMWi nicht erst seit gestern im Programm, aber die Hilfen beispielsweise im Bereich der internen Kommunikation, der Datenkommunikation oder des digitalen Außenauftritts von Unternehmen würden seit Corona sehr viel stärker wahrgenommen.

Im Auge behalten sollte man nach Ansicht aller Beteiligten auch, dass Corona Veränderungen bringe, die man erst einmal nicht auf der Rechnung habe. So erlaube das Home-Office beispielsweise, vermehrt standortferne oder gar internationale Mitarbeiter zu beschäftigen. Hier stünden auch die Gewerkschaften vor neuen Realitäten und Herausforderungen.

Ausblick

Zum Abschluss des zweiten Tages der dvi-Dialogwoche bat die erneut ebenso eloquente wie kompetente Moderatorin Claudia Fasse, Geschäftsführerin von Fasse + Bieger, die Teilnehmer der Runde um ein kurzes Fazit und einen Ausblick: Was steht kurzfristig und langfristig an?

Für Holger Richter ist klar, dass die Inhalte seiner Arbeit weiterhin von kurzfristigen politischen Entscheidungen beeinflusst werden. Das sei nicht zu ändern, denn die Politik müsse schnell reagieren und je nach Entwicklung entscheiden, wo in welchem Ausmaß geholfen werden müsse. Langfristig sieht auch Richter einen Zuwachs bei der Nutzung der inzwischen gar nicht mehr so neuen digitalen Kommunikationswege.

Für den Kommunikationsprofi Jeschenko geht es nach eigener Aussage darum, noch kreativer zu sein, um neue Chancen zu finden, neue Risiken aufzuspüren, neue Wege zu beschreiten und sich ständig neu zu erfinden. Die klassische Pressekonferenz oder das Face-to-face-Hintergrundgespräch im Café hätten an Bedeutung verloren. Man müsse die neue Situation als Challenge sehen, nicht als Bürde. Es habe schließlich auch etwas Inspirierendes.

Für dvi-Geschäftsführerin Kim Cheng stellt sich die Aufgabe, die Systemrelevanz der Unternehmen der Verpackungswirtschaft zu betonen und zu vermitteln. Hier habe die Krise einiges sehr deutlich gemacht, was vorher nur innerhalb der Branche bekannt gewesen sei. Gleichzeitig gelte es für ein Netzwerk, wie es das dvi ist, die Unternehmen gut durch die Krise zu begleiten. Mit valider Informationen und mit vitalen Dialog- und Kommunikationsangeboten. Denn das Netzwerk und das Networking sind heute wichtiger, denn je.

Thema Ausbildung, Weiterbildung, Recruiting

Ausblick auf den dritten Tag der dvi-Dialogwoche: Am Mittwoch steht das Thema „Recruiting – Junge Talente für sich gewinnen“ im Mittelpunkt. Zu den Fragen gehören hierbei sicherlich: Wie werden wir in Zukunft arbeiten? Wie werden neue Mitarbeiter gefunden und gewonnen? Was bedeutet die Entwicklung für Fort- und Weiterbildung? Wie gewinnt man die junge Generation? Und wie muss ich mich als Unternehmen ausrichten?

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